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Neusser Friedenslauf

Spendenprojekt 2018

Miteinander statt nebeneinander – Projekte für Frieden und Verständigung

Projektpartner_innen des forumZFD und Bewohner_innen der Stadt Bar Eliàs vor dem Schriftzug "We love Bar Eliàs, One Community", welcher für ein friedliches Zusammenleben von Syrern und Libanesen steht. © Mona Naggar

LIBANON

Gemeinsam gegen Vorurteile
Alaa Alzaibak ist Mitarbeiter von Basmeh und Zeitooneh, einer syrischen Partnerorganisation des forumZFD im Libanon. Er zeigt einen bunten Konfliktbaum mit unzähligen Post-its an der Wand seines Büros und erklärt: „Wir fragten beide Bevölkerungsgruppen was sie übereinander denken. Syrerinnen und Syrer sagten, Einheimische würden auf sie herabschauen und sie ausbeuten. Im Gegenzug führten Libanesinnen und Libanesen an, die Geflüchteten aus Syrien nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg und verbrauchten viel Strom und Wasser.“ Natürlich könne man für jedes Vorurteil zutreffende Beispiele bringen, sagt Alaa Alzaibak weiter. Aber es gäbe auch viele Gegenbeispiele: „Es gibt auch Libanesen, die faire Mieten verlangen. Die Syrer verbrauchen zwar Wasser und Strom, aber sie bezahlen dafür. Es stimmt, dass Libanesen ihre Arbeitsplätze verloren haben, aber mit den Flüchtlingen kamen auch viele Organisationen, die wiederum Arbeitsplätze geschaffen haben.“

Gemeinsames Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen
Der Konfliktbaum zeigt die Komplexität der syrisch-libanesischen Beziehungen in der Kleinstadt Bar Elias, in der neben 20.000 Einheimischen dreimal so viele Flüchtlinge aus Syrien leben. Eine schwierige Situation, in der es oft zu Konflikten zwischen beiden Seiten kommt. Deshalb organisiert Alaa Alzaibak mit seinen Kolleginnen und Kollegen kleine Projekte, bei denen sich Libanesinnen und Libanesen gemeinsam mit Geflüchteten aus Syrien für konkrete Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen einsetzen. Durch das gemeinsame Engagement lernen sich Einheimische und Geflüchtete kennen und bauen Vorurteile ab – die beste Vorbeugung gegen Hass und Konflikte.

Räume schaffen für Begegnung
Eines der von Geflüchteten und Einheimischen gemeinsam organisierten Projekte: Eine bunte Liebeserklärung auf einer Rasenfläche in einem kleinen Park in Bar Elias. Weiße, grüne und rote Buchstaben aus Plastik und Metall bilden den Satz: „We love Bar Elias, One Community“. Syrische und libanesische Bewohnerinnen und Bewohner haben die Skulptur Anfang Dezember 2017 zusammen eingeweiht.
„Raum schaffen für Begegnung“: Dieses Motto nehmen Alaa Alzaibak und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter auch mit einem anderen Projekt wörtlich: Sie haben ein großes Zelt mitsamt Stühlen, Tischen und einem Ofen angeschafft, das allen Bewohnerinnen und Bewohner von Bar Elias zur Verfügung steht – für öffentliche oder familiäre Veranstaltungen. Jeder kann es für einen symbolischen Preis ausleihen. 200 Menschen haben darin Platz.

In insgesamt fünf libanesischen Gemeinden fördern Konfliktberaterinnen und -berater des forumZFD zusammen mit lokalen Partnern wie Basmeh und Zeitooneh den Dialog zwischen Geflüchteten und Einheimischen. Sie bilden außerdem Mediatoren aus beiden Gruppen aus, die bei Konflikten vermitteln.

MIT DIALOG ZUM FRIEDEN – NICHT NUR IM LIBANON

Deutschland: Dialog für einen gelungenen Integrationsprozess
Mit Kommunaler Konfliktberatung (KKB) unterstützt das forumZFD mehrere Städte und Gemeinden in Deutschland dabei, soziale Veränderungen erfolgreich zu gestalten und spannungsgeladene Situationen zu entschärfen. In Ludwigslust zum Beispiel ist Antonie Armbruster-Petersen vom Team KKB auf Initiative der Stadt tätig: Sie berät die Stadt in Integrationsfragen und beim Aufbau von Dialogstrukturen für einen gelungenen Integrationsprozess. So initiierte sie etwa einen „Runden Tisch Integration“, von dem eine Vertreterin eines Wohlfahrtsverbandes sagt, man würde dort in drei Stunden die Absprachen treffen, für die man sonst drei Wochen brauche. Am Runden Tisch ist auch die Psychologin und Sozialarbeiterin Rula Assad beteiligt, die vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland floh. Als es um die Suche nach Wohnraum für geflüchtete Familien geht, bringt sie die Erwartungen der Familien ein und erläutert diesen umgekehrt die geplanten Schritte. So ziehen Kommune und Geflüchtete an einem Strang.

Israel/Palästina: „Ich hörte mir ihre Geschichten an und konnte meine Augen nicht länger verschließen"
Junge Menschen auf beiden Seiten des israelisch-palästinensischen Konflikts wachsen mit vollkommen verschiedenen Narrativen und Überzeugungen auf. Das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) arbeitet deshalb gemeinsam mit lokalen Partnern für den Aufbau von Dialogstrukturen über die Konfliktlinien hinweg. Ein lokaler Partner sind die Combatants for Peace, eine israelisch-palästinensiche Aktivistengruppe. Ihre Mitglieder teilen die gemeinsame Überzeugung, dass sich nur durch die Anerkennung des Menschlichen im Gegenüber ein Weg zum Frieden öffnen kann. Auch Michal Hochberg ist Mitglied der Combatants for Peace. Bevor sie den Weg zu ihnen fand, trat sie mit 18 Jahren der israelischen Armee bei. Als Jugendausbilderin brachte sie dort Schülerinnen und Schülern das Schießen bei. „Ich stellte keine Fragen und erkannte nicht, dass sie Soldaten werden und dieses Wissen in Gewalthandlungen anwenden würden", sagt sie heute. An der Universität beschäftigte sie sich näher mit dem Konflikt. Sie sah die Realität der Besatzung und traf erstmals auf Palästinenserinnen und Palästinenser. Hatte sie als Kind noch Angst vor ihnen und fürchtete sich, wenn sie Arabisch hörte, kann sie nun die Augen nicht länger verschließen – und setzt sich für die Überwindung des Konfliktes ein.

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Kontakt: Neusser Friedenslauf - Forum Ziviler Friedensdienst e. V.
Am Kölner Brett 8 | 50825 Köln | Telefon: 0221 912732 - 0 | E-Mail: neuss(at)run4peace.eu