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Münsteraner Friedenslauf

Spendenprojekte 2019

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.: Projekt für Frieden und Verständigung

ISRAEL UND PALÄSTINA: JUGENDLICHE FÜR FRIEDEN UND VERSTÄNDIGUNG

Kinder und Jugendliche in Israel und Palästina wachsen in einer Region auf, die seit mehreren Generationen von Hass, Gewalt und Krieg geprägt ist. Juden als auch Araber erheben auf Grund ihrer Geschichte Anspruch auf das gleiche Stück Land im Nahen Osten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossen die Vereinten Nationen die Teilung des Landes in zwei Staaten. Daraufhin brach ein Kampf zwischen Israelis und Palästinensern aus, der bis heute nicht zu Ende geführt ist. Fast täglich erreichen uns Nachrichten von Gewalt von dort. Doch es gibt auf beiden Seiten Menschen und Gruppen, die sich für ein Ende von Hass und Gewalt einsetzen. Menschen, die Verständigung und Frieden wollen. Diese Gruppen unterstützt die deutsche Friedensorganisation forumZFD.

„LETZTENDLICH SIND WIR ALLE EINFACH TEENAGER“

Ein Beispiel ist das Jugendzentrum der arabisch-jüdischen Partnerorganisation Beit Ha’Gefen in der Hafenstadt Haifa. Haifa ist eine große Hafenstadt im Norden Israels. Hier leben Juden und Palästinenser, sogenannte arabische Israelis, Seite an Seite. Im Jugendclub „Tachles“ kommen täglich arabische und jüdische Jugendliche zusammen und verbringen ihre Freizeit miteinander. Hier lernen sie, Vorurteile zu überwinden und sich gemeinsam für Dialog, Toleranz, Solidarität und Frieden einzusetzen.

Atalya Eyal (14) und Sali Malsha (17) leben beide in Haifa. Atalya ist Israelin, Sali Palästinenserin.
Atalya erinnert sich: „Im Jahr 2014 war Krieg in Gaza. Demonstrationen voller Hass füllten die Straßen. Damals erzählte mir meine Mutter von einer arabisch-jüdischen Jugendgruppe. Ich kannte damals kaum Jugendliche, die nicht, ebenso wie ich, jüdisch waren. Das fand ich absurd.“
Atalya Eyal wollte arabische Jugendliche kennenlernen. Sie wollte eine Jugendgruppe, in der arabische und jüdische Jungen und Mädchen willkommen sind. Mit ihrer Idee wandte sie sich zusammen mit zwei Freundinnen aus der 8. Klasse an das Kulturzentrum Beit Ha’Gefen. Und schon bald trafen die drei Mädchen mit anderen arabischen und jüdischen Mädchen und Jungen in ihrem Alter zum ersten Mal zusammen. Bis heute finden diese Treffen einmal pro Woche statt. Das wichtigste, findet Atalya, ist „das gegenseitige Kennenlernen, das uns zeigt, dass wir, ob jüdisch oder arabisch, letztendlich alle einfach Teenager sind.“

Das findet auch Sali Malsha. Die 17jährige hat im „Tachles“ gelernt, dass es trotz der vielen Unterschiede möglich ist, eine Gemeinschaft zu bilden. Verantwortung zu übernehmen, Vertrauen aufzubauen  und Nähe zu „den anderen“ herzustellen. Das alles lernen die Jugendlichen im Tachles, egal welche Sprache sie sprechen oder welcher Religion sie angehören. „Ich habe verstanden, dass Veränderungen im Kleinen anfangen. Bevor wir die Welt verändern können, müssen wir bereit sein, uns selbst zu verändern und einen Schritt auf die anderen zuzugehen.“ Wo am Anfang Unsicherheiten und Vorurteile  im Raum standen, ist heute eine Gemeinschaft gewachsen. „Wir wussten fast nichts übereinander. Heute spielen diese Bedenken keine Rolle mehr. Wir diskutieren miteinander, arbeiten, spielen und essen zusammen, engagieren uns gemeinsam freiwillig in Projekten“, erklärt Sali Malsha.

ORT DER BEGEGNUNG  - DAS KULTURZENTRUM BEIT HA’GEFEN

Im Jugendclub „Tachles“ des Kulturzentrums Beit Ha’Gefen treffen sich arabische und jüdische Jugendliche. Sie finden über ihre gemeinsamen Interessen zueinander, wenn sie in der Kunst-, Photographie- oder Musikgruppe zusammenarbeiten. Die Jugendlichen helfen gemeinsam freiwillig in Schulen, Seniorenheimen oder Krankenhäusern. Sie feiern zusammen die Feste beider Kulturen. So entsteht ein Gemeinschaftsgefühl über soziale, kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg. Im Schutz dieser Gemeinschaft sprechen die Jugendlichen auch über Demokratie, Respekt, Toleranz oder Chancengleichheit.

pax christi Münster: Bildung als Hoffnungsschimmer

ARAB EDUCATIONAL INSTITUTE IN BETHLEHEM (aei)

Mit den Spenden unterstützt pax christi Münster in diesem Jahr zwei Projekte im regionalen Schwerpunkt. Zum einen ein Friedensprojekt in Palästina mit Jugendlichen: Das Arab Educational Institute in Bethlehem (aei). Das aei ist eine palästinensische Bildungseinrichtung, die in den Regionen von Bethlehem, Hebron und Ramallah aktiv ist. Sie will die Arbeit für Frieden und Gewaltfreiheit durch entsprechende Bildungsangebote fördern. Das aei fördert besonders das Zusammenleben von Muslimen und Christen. Die Arbeit mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen sowie LehrerInnen mit Eltern bilden einen Schwerpunkt.

BEGEGNUNGSSTÄTTE BEIT NOAH

Der andere Teil der Spenden für pax christi geht an die Begegnungsstätte Beit Noah der Benediktiner im Heiligen Land (Dormitio) in Tabgha. Besonders Menschen, die Wunden aus dem misslungenen Miteinander und gewaltsamen Gegeneinander von Menschen davongetragen haben, kommen in das gemeinsame Haus nach Tabgha: Kinder und Jugendliche, die im israelisch-palästinensischen Konflikt verwundet wurden und die mit bleibenden körperlichen Behinderungen leben, Kinder und Jugendliche mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, Kinder und Jugendliche aus Israel und Palästina, die trotz und wegen ihrer Behinderungen viel heilsame Freude am Leben haben. Für viele israelische und palästinensische Jugend- und Behindertengruppen ist Beit Noah oft die einzige Möglichkeit, aus ihrem Alltag auszubrechen und Normalität und Freiheit zu erleben.

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