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Jülicher Friedenslauf

Frieden durch Freundschaft

Spendenprojekt im Libanon

Die Syrerin Rahaf (17) ist mit ihrer Familie vor dem Krieg in Syrien in den Libanon geflohen. Zwar lebt sie dort in Frieden, doch Freundschaften hat sie lange Zeit keine geschlossen. „Ich lebe in einer Nachbarschaft, in der wir nicht wirklich daran gewöhnt sind, raus zu gehen und auf der Straße zu spielen. Ich bin zu Hause geblieben und habe in meinem Zimmer gesessen. Ich hatte keine Freunde“, erzählt sie. Rahaf scheute sich davor, andere Menschen anzusprechen.

Als sie dann in die Räume der Organisation Basmeh und Zeitooneh gekommen ist, waren da auf einmal viele junge Menschen, die sie nicht kannte. Basmeh und Zeitooneh (Ein Lächeln und ein Olivenbaum) ist eine libanesisch-syrische Organisation, die vom forumZFD unterstützt wird, damit sie in vielen Städten im Libanon Gemeinschaftszentren unterhalten kann. Dort können sich die Menschen aus verschiedenen Nachbarschaften besser kennenlernen, austauschen und vernetzen. Weil Frieden durch Freundschaften entstehen kann, lernen Kinder und Jugendliche, wie sie Menschen ansprechen können, sich angemessen verhalten und auch ihre eigenen Grenzen aufzeigen. Sie erfahren auch, warum Zusammenhalt im Libanon wichtig ist.

Denn dort gibt es viele verschiedene Religionsgemeinschaften. Die Menschen haben nicht nur Vorurteile untereinander, sondern auch gegenüber geflüchteten Menschen. Die Politiker machen die Syrerinnen und Syrer, die Schutz vor dem Krieg gesucht haben, für die wirtschaftliche Misere des Landes verantwortlich. Sie sagen, die Geflüchteten verbrauchten viel Strom und Wasser und es seien nicht genügend Arbeitsplätze für alle da. Syrerinnen wie Rahaf schlagen deshalb viele negative Vorurteile entgegen – das entmutigt, neue Menschen kennenzulernen.

Bei Basmeh und Zeitooneh hat Rahaf gelernt, wie sie andere Jugendliche anspricht. „Die Sessions haben mir geholfen, aus dem Haus zu gehen, mit Leuten zu interagieren und Freundschaften zu schließen.“ Sie hat nicht nur den Mut gefunden, mit anderen Jugendlichen zu spielen, sondern auch Zein getroffen. Zein ist Libanese und hatte vorher keine syrischen Freunde – vor allem keine Freundinnen. Noch immer ist es etwas verpönt, wenn Jungs und Mädchen Freundschaften schließen. Doch Zein und Rahaf haben gemeinsam Spaziergänge durch die Nachbarschaft gemacht, in Gruppen zusammengearbeitet und gespielt. Rahaf vertraut Zein nun wie ihren eigenen Geschwistern. Manchmal vertraut sie ihm sogar Dinge an, die sie nicht mal ihrer Schwester erzählt. Sie hat ihm auch mehr über ihr Leben in Syrien erzählt. Für den Libanesen Zein war das neu und sehr interessant.

Und auch Zein hat gelernt, wie man starke Freundschaften schließt. „Zuvor habe ich Leute danach beurteilt, wie sie aussehen und hätte mir Freunde danach ausgesucht“, erzählt er. „Man sollte sich Zeit lassen, den anderen kennenzulernen, zu verstehen, dass er anders ist und diese Andersartigkeit schätzen. Es ist ein Prozess, Freundschaften zu formen, es braucht Zeit.“ Für die beiden bedeutet Freundschaft, füreinander da zu sein und sich emotional zu unterstützen – egal, wie man aussieht oder wo man herkommt.

Friedensarbeit im Libanon

Liebeserklärung an die gemeinsame Heimat: Syrer*innen und Libanes*innen vor der Skulptur in Bar Elias. (c) Mona Naggar

Gemeinsam gegen Vorurteile
Alaa Alzaibak ist Mitarbeiter von Basmeh und Zeitooneh, einer syrischen Partnerorganisation des forumZFD im Libanon. Er zeigt einen bunten Konfliktbaum mit unzähligen Post-its an der Wand seines Büros und erklärt: „Wir fragten beide Bevölkerungsgruppen was sie übereinander denken. Syrer*innen sagten, Einheimische würden auf sie herabschauen und sie ausbeuten. Im Gegenzug führten Libanes*innen an, die Geflüchteten aus Syrien nähmen ihnen die Arbeitsplätze weg und verbrauchten viel Strom und Wasser.“ Natürlich könne man für jedes Vorurteil zutreffende Beispiele bringen, sagt Alaa Alzaibak weiter. Aber es gäbe auch viele Gegenbeispiele: „Es gibt auch Libanesen, die faire Mieten verlangen. Die Syrer verbrauchen zwar Wasser und Strom, aber sie bezahlen dafür. Es stimmt, dass Libanesen ihre Arbeitsplätze verloren haben, aber mit den Flüchtlingen kamen auch viele Organisationen, die wiederum Arbeitsplätze geschaffen haben.“

Gemeinsames Engagement zur Verbesserung der Lebensbedingungen
Der Konfliktbaum zeigt die Komplexität der syrisch-libanesischen Beziehungen in der Kleinstadt Bar Elias, in der neben 20.000 Einheimischen dreimal so viele Flüchtlinge aus Syrien leben. Eine schwierige Situation, in der es oft zu Konflikten zwischen beiden Seiten kommt. Deshalb organisiert Alaa Alzaibak mit seinen Kolleginnen und Kollegen kleine Projekte, bei denen sich Libanes*innen gemeinsam mit Geflüchteten aus Syrien für konkrete Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen einsetzen. Durch das gemeinsame Engagement lernen sich Einheimische und Geflüchtete kennen und bauen Vorurteile ab – die beste Vorbeugung gegen Hass und Konflikte.

Räume schaffen für Begegnung
Eines der von Geflüchteten und Einheimischen gemeinsam organisierten Projekte: Eine bunte Liebeserklärung auf einer Rasenfläche in einem kleinen Park in Bar Elias. Weiße, grüne und rote Buchstaben aus Plastik und Metall bilden den Satz: „We love Bar Elias, One Community“. Syrische und libanesische Bewohner*innen haben die Skulptur Anfang Dezember 2017 zusammen eingeweiht.
„Raum schaffen für Begegnung“: Dieses Motto nehmen Alaa Alzaibak und seine Mitstreiter*innen auch mit einem anderen Projekt wörtlich: Sie haben ein großes Zelt mitsamt Stühlen, Tischen und einem Ofen angeschafft, das allen Bewohnerinnen und Bewohner von Bar Elias zur Verfügung steht – für öffentliche oder familiäre Veranstaltungen. Jeder kann es für einen symbolischen Preis ausleihen. 200 Menschen haben darin Platz.

In insgesamt fünf libanesischen Gemeinden fördern Konfliktberater*innen des forumZFD zusammen mit lokalen Partnern wie Basmeh und Zeitooneh den Dialog zwischen Geflüchteten und Einheimischen. Sie bilden außerdem Mediator*innen aus beiden Gruppen aus, die bei Konflikten vermitteln.

DAS FORUMZFD

Das forumZFD unterstützt Menschen in gewaltsamen Konflikten auf dem Weg zum Frieden. Seit 1996 setzt sich die Organisation für die Überwindung von Krieg und Gewalt ein.
Heute arbeitet das forumZFD mit Friedensberaterinnen und -beratern in Deutschland und zehn weiteren Ländern in Europa, dem Nahen Osten und Südostasien. Seine Akademie für Konflikttransformation bietet Menschen in der internationalen Friedensarbeit eine professionelle Ausbildung. Mit Kampagnen, Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit setzt sich das forumZFD aktiv für eine zivile Friedenspolitik ein.
Die Bundesregierung hat das forumZFD als Trägerorganisation des Zivilen Friedensdienstes anerkannt. Es ist Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft und finanziert seine Arbeit über öffentliche und private Zuschüsse, Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Sponsoren

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Kontakt: Jülicher Friedenslauf - Forum Ziviler Friedensdienst e. V.
Am Kölner Brett 8 | 50825 Köln | Telefon: 0221 912732 - 0 | E-Mail: juelich(at)run4peace.eu