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Aachener Friedenslauf

Projekte 2017

pax christi Aachen: Für den Frieden im westlichen Balkan

pax christi ist eine katholische Friedensorganisation mit Mitgliedern und Mitarbeitenden in über 60 Ländern der Erde. Der Anteil, den pax christi Aachen von den Friedenslaufspenden erhält (40%), fließt z.B. in die Friedensdienste in Bosnien und Herzegowina, in Mazedonien oder im Kosovo. So sendet pax christi jedes Jahr Jugendliche nach dem Schulabschluss für ein Jahr in diese Länder, damit sie dort soziale Projekte und die Friedensarbeit vor Ort unterstützen.

Milena aus Buxtehude wohnt gerade in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina. Hier ging vor etwas mehr als 20 Jahren ein schrecklicher Krieg zu Ende. Damals war Sarajevo fast vier Jahre lang von den Armeen belagert. Die Menschen in der Stadt hatten nur selten Strom und Wasser. Lebensmittel und Medikamente wurden über unterirdische Tunnel hineingeschmuggelt. Viele Menschen mussten fliehen. Bosniaken, Serben und Kroaten wollten nicht zusammen in einer Stadt wohnen. Sie konnten den anderen Volksgruppen nicht mehr vertrauen, und so wurden sie zu Feinden.

Heute hat sich das Leben wieder normalisiert, die meisten Häuser sind wieder aufgebaut. Weil die Menschen im Krieg aber sehr gelitten haben, misstrauen sie einander immer noch.
An drei Tagen pro Woche arbeitet Milena im Kindergarten der katholischen Organisation Caritas Sarajevo. Dort spielen Kinder aus allen Volksgruppen miteinander. So lernen sie, welche Traditionen anderen Menschen wichtig sind und dass man diese achten soll. Sie hilft den Erzieher*innen bei der Betreuung der Kinder und gibt dort Deutschunterricht.

Milena ist auch zweimal pro Woche im Projektbüro des Forums Ziviler Friedensdienst in Sarajevo. Dort wird viel getan, um das Misstrauen unter den Menschen abzubauen. Zum Beispiel werden Workshops mit Jugendlichen in Schulen organisiert, die die Bedeutung von Denkmälern der verschiedenen Volksgruppen behandeln. Der Austausch darüber ist wichtig für den Umgang mit der Vergangenheit und die Versöhnung der ehemaligen Kriegsgegner.

Durch den Aachener Friedenslauf unterstützt pax christi diese und andere Aktivitäten.

Forum Ziviler Friedensdienst

40% der erlaufenen Spendengelder beim Aachener Friedenslauf werden an das Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) weitergeleitet. Das forumZFD finanziert seine Arbeit über öffentliche und private Zuschüsse, Spenden und Mitgliedsbeiträge.

Gegründet im Jahr 1996 setzt sich das forumZFD für die gewaltfreie Bearbeitung von Konflikten und die Überwindung von Krieg ein. Aktuell arbeitet das forumZFD mit Friedensberaterinnen und -beratern und lokalen Partnern in elf Ländern in Europa, dem Nahen Osten und Südostoasien für Zivile Konfliktbearbeitung, unter anderem auch im Libanon. Dort setzt es sich für ein friedliches Zusammenleben von Einheimischen und Geflüchteten ein.

Wer vor Krieg und Gewalt fliehen muss, kommt irgendwo an: in improvisierten Lagern, in überfüllten Städten oder in weit entfernten Ländern. Unter diesen Bedingungen fällt ein Neuanfang schwer. Auch das Zusammenleben zwischen Geflüchteten und Einheimischen verläuft nicht überall reibungslos: Konflikte eskalieren, Ablehnung und Gewalt greifen um sich – in Deutschland und in den Nachbarländern Syriens, die die meisten Flüchtlinge aufgenommen haben.

Das forumZFD hilft Geflüchteten und Einheimischen in Dialog zu treten und Konflikte ohne Gewalt auszutragen: Im Libanon arbeiten Geflüchtete aus Syrien und Einheimische gemeinsam an Projekten, um ihr Leben konkret zu verbessern. Auch in Deutschland bildet das forumZFD Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter für die Arbeit in interkulturellen Konflikten aus und unterstützt Gemeinden dabei, die Geflüchteten willkommen zu heißen und zu integrieren.

Beispiel Libanon: „Future together now – Gemeinsame Zukunft jetzt“
In vielen Orten im Libanon entlang der Grenze zu Syrien haben die Menschen zahlreiche Geflüchtete aufgenommen. Es gibt nicht genügend Wohnraum, Arbeitsplätze, Kitas und Schulen.
Im Projekt „Future together now – Gemeinsame Zukunft jetzt“ bildet das forumZFD syrische Flüchtlinge und Libanesen für Gemeindearbeit und in gewaltfreier Konfliktbearbeitung aus. Die ausgebildeten Gemeindearbeiter haben ein offenes Ohr für Einheimische und Geflüchtete, die mit ihnen ihre Ängste und Nöte besprechen können.

Sie entwickeln mit den Menschen Ideen, wie Zusammenleben verbessert werden kann und packen dabei selbst mit an. Auf diese Weise wurde beispielsweise ein Recyclingprojekt in der Stadt Bar Elias aus der Taufe gehoben, eines von vielen, in dem Syrer und Libanesen zusammen arbeiten. Die Familien trennen ihren Abfall und sortieren Blech und Plastik aus, das anschließend verkauft wird. Das Projektteam hat die Bevölkerung dafür mit speziellen Mülltonnen versorgt. Über die Verwendung der Erlöse entscheiden die Menschen im Viertel selbst. „Unser Stadtteil kann mit dieser Mülltrennung etwas Geld verdienen.“, sagen Anwohner.

Der Erlös wird unter anderem für einen neuen Anstrich des Schulgebäudes oder zur Reparatur des öffentlichen Wasserhahns eingesetzt.

Netzwerk Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus

Das Netzwerk Aachener Schulen gegen Gewalt und Rassismus erhält 20% der beim Friedenslauf erzielten Sponsorengelder. Damit werden Projekte und Aktionen unterstützt, die sich gegen Gewalt und Rassismus richten und ein friedliches Miteinander fördern.

Im Begleitprogramm des Friedenslaufes unterstützt das Netzwerk z.B. die Pantomime-Workshops des Pantomimen Scheibub. In ihnen wird tänzerisch, pantomimisch oder spielerisch geübt, wie man auf Gewaltsituationen im Alltag reagieren und sich selbstbewusst behaupten kann, ohne sich in den Sog der Gewalt ziehen zu lassen.

Darüber hinaus beteiligen wir uns an den Kosten von Gewaltpräventionsmaßnahmen und interkulturellen Projekten an mehreren Aachener Schulen aller Schulformen. Die Besuche von Zeitzeugen in Schulen, Jugendcamps und Begegnungen von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Ländern finanzieren wir teilweise mit.

Auch im Schuljahr 2016/17 werden Anti-Rassismus-Trainings für Menschen aus pädagogischen Berufen durchgeführt und mitfinanziert. In diesen Trainings setzen sich die Teilnehmenden mit eigenen rassistischen Denkweisen und strukturellem Rassismus auseinander und lernen Wege kennen, Rassismus zu überwinden.

In Zusammenarbeit mit der VHS Aachen werden nach wie vor die begleiteten Busrundfahrten für Schüler*innen von weiterführenden Schulen „Deutsch-belgisch-niederländische Grenzgeschichte(n) im Kontext der beiden Weltkriege“  finanziert. Die Ereignisse im Zusammenhang der Weltkriege und deren Folgen bilden dabei den Schwerpunkt. Dabei wird deutlich, dass diese Grenze zwar heute kaum mehr wahrgenommen wird, jedoch in den Kriegsjahren im vergangenen Jahrhundert für viele Menschen ein unüberwindbares Hindernis darstellte – für manche aber auch das rettende Ufer vor der Verfolgung war.

Seit dem Jahr 2008 unterstützt das Netzwerk das Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig und übernimmt die Verlegungskosten der Stolpersteine, die an Opfer des Nazi-Terrors erinnern und in den Bürgersteig vor der letzten frei gewählten Wohnstätte verlegt werden.

Im Jahr 2017 unterstützen wir mehrere Aufführungen des Theaterstücks „Jungfrau ohne Paradies“, das das Motto des diesjährigen Friedenslaufs „Religionen ohne Frieden – das läuft nicht!“ auf sehr spannende Weise interaktiv dramatisiert, indem das Publikum in die Handlung und Suche nach der Konfliktlösung einbezogen wird.

Vielen Dank für die Unterstützung all dieser Projekte durch den Friedenslauf.

Kontakt: Aachener Friedenslauf - c/o pax christi im Bistum Aachen

Eupener Str. 134 | 52066 Aachen                 Telefon: 0241 / 40 28 76

E-Mail: Aachener.Friedenslauf@web.de     Fax: 0241 / 40 18 796